Die Bahn geht (nicht)…

… sondern fährt. Manchmal. Nicht immer. Und was dann? Des Radfahrers gefürchtetste drei Buchstaben: SEV. SchienenErsatzVerkehr. Yes!

Der Ersatz mag ja für Fussgänger ganz gut funktionieren, aber als Radfahrer?

Erstmal beim Bahnhofsvorsteher fragen, was man denn als Radfahrer machen sollte.

Gut, das ist eigentlich nicht die erste Tat, sondern die zweite, aber man hat ja auch eben erst auf dem Bahnsteig, an dem der SEV beginnt, überhaupt erst erfahren, dass SEV ist und Beschilderung ist trotz Deutschlands Schilderwald Mangelware. Die erste Tat wäre der Herde wahllos hinterher zu trotten. Aber das schenken wir uns mal, denn bekanntlich ist ja der SEV in persona ein Bus. Rad und Bus sind schon von Hause aus Spinnefeind, aber vielleicht weiß ja der Bahnhofsvorsteher irgendwas, also zurück zum glücklichen selbigen geschaltet…

Die Antwort fällt wie erwartet aus: gehen sie zur SEV-Haltestelle. So, da hat aber der Vorsteher die Rechnung ohne den Busfahrer bzw. die Vorschriften für Busse gemacht: Fahrräder dürfen nicht mit Bussen transportiert werden, weil es zu gefährlich ist. Verständlich, gibt ja keine Fahrradabteile im Bus und ein Fahrrad eitert nun mal schwer raus, wenn’s mal geflogen kommt und trifft. Ich lass hier mal außen vor, was einem da so für Grimassen entgegenschleudern, wenn man versucht seinen Drahtesel in den Bus zu hieven und das ganze noch mit Berlinern. Prost!

Um das in Erfahrung zu bringen, ist man allerdings schon die Treppen mit Rad rauf oder runter gelaufen, weil es ja ausgerechnet auf diesem Bahnhof keinen Fahrstuhl gibt oder selbiger zu klein für Fahrräder. Das macht man eigentlich nur beim ersten SEV, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, aber dann in einem grandiosen Wutausbruch. Aber man kann sich ja auch zusammenreißen.

Jetzt heißt die Devise wieder auf den Bahnsteig, nochmal fragen, was man machen soll. Jetzt kommt die allerdümmste Antwort, die sich ein Radfahrer in dieser Situation wünscht: Warum fahren sie nicht mit ihrem Rad? – Haaalllloooo???!!

Es hat sicherlich seine Gründe, warum ich mein Rad nicht unter meinem Hintern habe sondern neben mir in der S-Bahn. Vielleicht regnet es ja? Vielleicht habe ich extra dafür bezahlt mein Fahrrad mitnehmen zu dürfen? Vielleicht will ich ja auch erst ab einem bestimmten Bahnhof losfahren, weil die Broschüre der S-Bahn es empfiehlt (Zwei Damen besten Alters hatten leider dieses Pech und mussten letztlich unverrichteter Dinge wieder kehrt machen.). Vielleicht weiß man aber auch einfach nicht, wo der Weg lang geht.

Wer den SEV zwischen Berlin Karow und Buch miterlebt hat, wird das vielleicht bestätigen können, denn da liegt so eine liebe kleine fiese Autobahn dazwischen und die einzigen beiden Brücken in der Nähe sind entweder die Bahnbrücke oder eine Autobrücke, wo allerdings der Weg dahin fehlt, weil sie natürlich auf der anderen Seite vom Bahndamm liegt, auf der man aus dem Bahnhof kommt. Nicht zu vergessen: ein Flüsschen liegt auch noch zwischen der erträumten Brücke und dem Weg, den man grad fährt. Juhu!

Zurück zu unserem Bahnhofsvorsteher, der von all dem keinen blassen Dunst hat. Der guckt einen natürlich ganz blöd an, die Fragezeichen sind in seinen Schultern verhakt und hüpfen immer fleißig auf und ab, so dass es ein hervorragendes Schulterzucken beim Herrchen von der S-Bahn erzeugt.

Ich hätte mir gewünscht, dass die Fragezeichen sich zu Stift und Papier verwandeln und der Bahnhofswärter damit was anzufangen weiß und mir ‘ne Karte pinselt. Jaaaaaaa! Das wäre des Rätsels Lösung gewesen, eine SEV-Stadtkarte für Radfahrer, die mir den Weg von A nach B zeigt. Mein Traum wäre ja, dass man statt der Karte ein Navi bekommt, aber so viel Service kann man von der S-Bahn nicht erwarten.

Tja, ich würde mir mal wünschen, dass die Herren Oberlichter (Chefs) der Bahn mal mit ihrem Rad in den SEV geraten. Wird wohl nicht passieren, wenn die da mal fahren, wär vermutlich plötzlich kein SEV mehr oder der Bus doch Fahrräder mit oder das Navi wird auf einem goldenen Tablet gereicht.

Was kann man dagegen unternehmen? Nicht wirklich viel. Wer schert sich schon um die lästigen Radfahrer, wenn selbst der ADFC die S-Bahn als guten Partner auslobt. Vielleicht sollte man einfach mal als große Fahrradgruppe eine Strecke mit SEV fahren und so lange auf dem Bahnsteig verweilen und den Bahnsteigherren nerven, bis es eine Karte gibt. Am besten in mehreren Schüben. Vielleicht mal eine andere ADFC-Sternfahrt…

Euer Christoph

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